Vergaberecht erklärt
Die beschränkte Ausschreibung
Die beschränkte Ausschreibung ist das Verfahren, bei dem sich entscheidet, ob Sie als Betrieb überhaupt sichtbar sind. Der Auftraggeber begrenzt den Kreis derer, die anbieten dürfen. Ob Sie dazugehören, hängt von Vorarbeit ab, die lange vor der Bekanntmachung stattfindet.
Die beiden Varianten
Mit Teilnahmewettbewerb wird der Auftrag öffentlich bekannt gemacht. Sie reichen zunächst nur einen Teilnahmeantrag mit Eignungsnachweisen ein. Der Auftraggeber wählt daraus eine begrenzte Zahl von Bewerbern aus, die dann zur Angebotsabgabe aufgefordert werden. Der Aufwand für die erste Stufe ist gering, die Chance in der zweiten Stufe deutlich höher als im offenen Verfahren.
Ohne Teilnahmewettbewerb gibt es keine öffentliche Bekanntmachung des Bieterkreises. Die Vergabestelle fordert unmittelbar mehrere geeignete Unternehmen zur Angebotsabgabe auf. Sie erfahren von dem Auftrag nur, wenn Sie aufgefordert werden.
Wann sie zulässig ist
Unterhalb der EU-Schwellenwerte ist die beschränkte Ausschreibung an Wertgrenzen und an sachliche Gründe gebunden, etwa daran, dass die Leistung nur von einem begrenzten Kreis von Unternehmen erbracht werden kann oder dass eine öffentliche Ausschreibung einen unverhältnismässigen Aufwand verursachen würde.
Oberhalb der Schwellenwerte heisst das Gegenstück nicht offenes Verfahren, und es steht dem offenen Verfahren gleichrangig zur Verfügung. Der Auftraggeber muss die Wahl nicht besonders rechtfertigen, er muss aber immer einen Teilnahmewettbewerb vorschalten.
Wie Sie in den Bieterkreis kommen
Drei Wege wirken. Erstens die Präqualifikation, weil sie der Vergabestelle die Eignungsprüfung abnimmt. Zweitens die Registrierung auf den Vergabeplattformen, die die Stelle tatsächlich einsetzt, denn dort wird der Bieterkreis oft zusammengestellt. Drittens Referenzen bei vergleichbaren öffentlichen Auftraggebern in der Region, die in der Auswahl als Erstes gelesen werden.
Ein Betrieb, der ausschliesslich auf öffentliche Ausschreibungen reagiert, sieht die beschränkten Verfahren ohne Teilnahmewettbewerb nie. Das ist keine Lücke in der Recherche, sondern eine Eigenschaft des Verfahrens.
Wie häufig die Verfahrensarten wirklich sind
Die Verfahrensart steht in jeder Bekanntmachung. So verteilt sie sich über die Verfahren, die gerade offen sind:
| Verfahrensart | Anzahl | Anteil | |
|---|---|---|---|
| Offenes Verfahren | 2966 | 74,9 % | |
| Öffentliche Ausschreibung | 916 | 23,1 % | |
| Verhandlungsverfahren mit öffentlichem Teilnahmewettbewerb | 42 | 1,1 % | |
| Beschränkte Ausschreibung mit öffentlichem Teilnahmewettbewerb | 10 | 0,3 % | |
| Beschränkte Ausschreibung | 9 | 0,2 % | |
| Öffentlicher Teilnahmewettbewerb | 6 | 0,2 % | |
| Freihändige Vergabe | 5 | 0,1 % | |
| Vorinformationsverfahren | 4 | 0,1 % |
Das Bild ist eindeutig: die offenen Verfahren dominieren, weil sie oberhalb der Schwellenwerte der gesetzliche Regelfall sind und weil 3008 der Treffer aus dem EU-Amtsblatt stammen gegenüber 964 nationalen. Beschränkte und freihändige Verfahren erscheinen in dieser Statistik selten, und zwar aus einem Grund, der für Bieter der eigentliche Punkt ist: die Variante ohne Teilnahmewettbewerb wird gar nicht erst bekannt gemacht. Was Sie hier zählen können, ist nur der Teil des Marktes, der öffentlich stattfindet.
Gezählt über 3972 offene Bekanntmachungen im Index, Stand 2026-09-07. Der Bestand wird jede Nacht neu aufgebaut, die Zahlen ändern sich also täglich.
Häufige Fragen
Wie viele Unternehmen werden aufgefordert?
Bei der Variante ohne Teilnahmewettbewerb typischerweise drei bis acht, je nach Auftragswert und Vergabeerlass. Bei der Variante mit Teilnahmewettbewerb nennt die Bekanntmachung die vorgesehene Zahl.
Kann ich mich um die Aufnahme in den Bieterkreis bewerben?
Bei der Variante mit Teilnahmewettbewerb ja, das ist genau der Teilnahmeantrag. Ohne Teilnahmewettbewerb nicht direkt, dort hilft nur Sichtbarkeit im Vorfeld.
Lohnt sich der Teilnahmeantrag, wenn viele Bewerber erwartet werden?
Meist ja, weil der Aufwand der ersten Stufe klein ist und die Auswahl nach objektiven Eignungskriterien erfolgt. Ein präqualifizierter Betrieb mit passenden Referenzen hat hier eine gute Ausgangslage.